Kreative Therapien und Autismus
Die Kunsttherapie ist eine Therapieform, welche die hei-
lende, fördernde und stärkende Kraft des gestalterischen
Tuns nutzt.
In der Kunsttherapie wird mit bildnerischen Medien im
zweidimensionalen Bereich wie z.B. mit Farbe, Linie, und
Fotografie sowie im dreidimensionalen Bereich wie z.B.
mit Holz, Stein und Ton gearbeitet, über die der Mensch
sich ausdrückt. Dabei geht es um seine inneren Bilder, sei-
nen Blick auf die Welt, die Entwicklung neuer Fähigkeiten
und Handlungsspielräume und die Entdeckung von
Lösungsmöglichkeiten und Ressourcen.
Die Kunsttherapie in Haus Bucken arbeitet vor allem auf
die Entwicklung von motorischen, sozialen und emotio-
nalen Fertigkeiten hin.
Eine Störung im autistischen Spektrum zeigt eine Vielzahl
von Symptomen. Man geht heute davon aus, dass die
Symptome in erster Linie durch eine schwerwiegende
Störungen der Wahrnehmungsverarbeitung hervorgeru-
fen werden. Menschen mit Autismus können die Reize
aus ihrer Umwelt zwar aufnehmen, aber nicht adäquat
verarbeiten. Das ist ein Grund, warum die Kunsttherapie
für Menschen mit Autismus so wichtig ist. Durch das
direkte Wahrnehmen und Erfahren der eigenen Handlun-
gen im Medium sind die Dinge die sie tun sehr konkret
und für sie direkt nachvollziehbar . Sie haben daher die
Möglichkeit neu Erlebtes zu begreifen, in ihrer Erkenntnis
zu wachsen und sich dadurch weiterzuentwickeln.

LogoBucken1

Ein weiterer wesentlicher Punkt des schöpferischen Tuns
ist, dass sie sich selbst als ein schaffendes Wesen erleben,
indem sie Spuren setzen, die einen Teil ihres Wesens
sichtbar machen.
Da die Bewohner von Haus Bucken über eingeschränkte
sprachliche Fähigkeiten verfügen, ist die Kunst- und
Ergotherapie ein wesentlicher Ausgangspunkt der non-
verbalen Kommunikationen. Darüber hinaus trägt das
Erleben über das Medium (z. B. Farbe, Holz, Ton)
wesentlich zur Entspannung und somit zur Steigerung
der Lebensfreude bei.

Zielstellungen in der Kunst- und Ergotherapie
in Haus Bucken

In der Kunst- sowie der Ergotherapie in Haus Bucken
arbeiten wir personen- und prozessorientiert. Das be-
deutet, dass wir uns an den Bedürfnissen, Vorlieben und
Wünschen der Bewohner orientieren und ihnen entspre-
chendes Material anbieten, ohne bereits im Vorhinein
von einem fertigen Produkt auszugehen. Das Wahr-
nehmen und Erkennen der Interessen und Ambitionen
des einzelnen Bewohners kann ihm das Gefühl geben,
verstanden und akzeptiert zu werden. Dies kann wesent-
lich zur benötigten Sicherheit beitragen.
Eine weitere Qualität dieser Haltung ist, dass wir eine
Möglichkeit nutzen, einen Teil ihrer Welt kennenzuler-
nen, nachzuvollziehen und zu respektieren. Desweiteren
können wir unsere Bewohner aufgrund dieser Vertrauens-

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Texte/ Gestaltung:
Alexandra Harth
Katrin Hußmann

Fotos:
Michael Bork
Günter Großheimann
Katrin Hußmann
Wolfram Seeger

Prepress:
Günter Großheimann

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besonders ausgeprägt sein. An dieser Stelle versuchen
wir die verwendeten Materialien dementsprechend
anpassen. Wenn es sich z. B. bei dem Bewohner um
jemanden handelt, der eine Vorliebe für akustische Reize
hat, kann man die visuelle Wahrnehmung zusätzlich
durch ein »geräuscherzeugendes Material« auditiv ver-
stärken.

Die Förderung von Selbsterfahrung und Körperbeherr-
schung mittels der künstlerischen Arbeit trägt zudem
wesentlich zur Entwicklung des Selbstbewusstseins bei.
Der Bewohner erlebt sich als schaffender Mensch und
gewinnt Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten.
Ein anderes Ziel in der therapeutischen Arbeit in Haus
Bucken ist die Kommunikationsanbahnung und
-verbesserung
. Da die Bewohner über eingeschränkte
sprachliche Fähigkeiten verfügen, ist die Kunst- und
Ergotherapie in Haus Bucken ein wesentlicher Ausgangs-
punkt nonverbaler Kommunikationen. Einerseits können
wir durch das Kunstwerk und die Art und Weise wie es
ensteht, im Prozess mit dem Bewohner, durch unterstüt-
zende und strukturierende Begleitung in Kontakt treten.
Andererseits kann es durch gemeinsames künstlerisches
Schaffen zu einem »Malerischen Dialog« kommen. Dieser
ist charakterisiert durch wechselseitiges Führen und
Folgen und fördert bei den Bewohnern die Fähigkeit, sich
mit Menschen aus seiner Umgebung abzustimmen.
Gleichzeitig trainiert der Bewohner , sich spontan auf
neue Situationen einzulassen und auf diese reagieren zu
können

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bildung einladen, neue Erfahrungen zu machen und die
eigenen Fähigkeiten zu erweitern.
In der Arbeit mit Menschen mit Autismus in seiner
schwersten Form ist es notwendig, sich auf Prozesse ein-
zulassen, die durchaus mehrere Jahre dauern können
und sehr viel Geduld und stetigen Einsatz erfordern. In
dieser personen- und prozessorientierten Arbeit konzen-
trieren wir uns auf drei Hauptziele. Die Zielstellungen
passen wir jeweils an den einzelnen Bewohner mit seinen
individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten an.

Es ist uns in der Arbeit mit Menschen mit Autismus
besonders wichtig, das sie durch die künstlerische Arbeit
in ihrer Selbsterfahrung und Körperbeherrschung
gefördert werden. Wie bereits beschrieben, sind die
Handlungen im künstlerischen Medium konkret und im
direkten Tun sofort nachvollziehbar . Unsere Bewohner
lernen somit den Zusammenhang von Ursache und
Wirkung und »wie die Dinge funktionieren«. Ein Beispiel:
Wenn ich mit der pinselhaltenden Hand eine Abwärts-
bewegung mache, kann ich auch auf dem Blatt eine
senkrechte Spur erkennen.

Weiterhin können durch die künstlerische Arbeit die
Sinneswahrnehmungen aktiviert, stimuliert und struktu-
riert werden, wodurch die Fähigkeit gefördert wird, Reize
aus der Umwelt adäquater zu verarbeiten. Hierbei han-
delt es sich überwiegend um die taktile, visuelle und
auditive Wahrnehmung. Zudem kann bei jedem
Menschen mit Autismus eine Vorliebe für einen Reiz

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Menschen mit einer Störung im autistischen Spektrum
zeigen oftmals einen Drang zu stereotypen, zwanghaften
und repetetiven Verhaltensweisen. Auch unsere
Bewohner zeigen diese oft sehr einseitigen und zwang-
haften Verhaltensweisen und Interessen. Wir versuchen
in unserem therapeutischen Angebot, diese Zwänge,
Blockaden und Stereotypien zu mindern
. Man kann
sie natürlich nicht »wegzaubern«, da sie immer ein fester
Bestandteil ihrer Persönlichkeit sind und auch bleiben wer-
den. Aber wir können versuchen, ihre Neugier durch das
Neuentdecken und Experimentieren mit künstlerischen
Materialien zu wecken und somit ihr Repertoire zu erwei-
tern. Sie können sich in neue Erlebnisswelten tragen las-
sen und lernen, sich letzendlich durch Entspannung in
einem schöpferischen Prozess frei von Zwängen zu
bewegen.

Eine kleine Auswahl der entstanden Bilder und Skulpturen
können sie in dieser Broschüre sehen. Alle Werke sind
Ergebnisse unserer prozessgerichteten Arbeit.
Die Bilderrahmen werden ebenfalls in unserem Arbeits-
und Förderbereich passend zu den Werken und auch mit

Unterstützung unserer Bewohner gefertigt und gestaltet.
Juan Miró hat seine Skulpturen häufig aus Fundstücken
geschaffen, die er bei seinen Spaziergängen fand. Woran
andere achtlos vorübergingen, vermochte er Besonderes
zu erkennen. Wir sollten lernen, im Alltäglichen das
Besondere zu sehen, im Selbstverständlichen das
Wunderbare, im Verachteten das Schöne. So viel im
Leben ist des Aufhebens wert. Die Kunst lehrt uns, nicht
wie Blinde durch die Welt zu stolpern, sondern zu sehen.
Auch die Bilder der Bewohner von Haus Bucken sind für
uns so kleine wertvolle Fundstücke. Auch wenn sie auf
den ersten Blick vielleicht einfach, gar naiv erscheinen,
sind sie doch ein kleiner aber wichtiger Ausdruck der
Erlebnis- und Erfahrungswelt, des Kontaktes, Anders-
Sein-Dürfens und des Mutes unserer Bewohner , etwas
Neues auszuprobieren. Daher ist es uns wichig, mit den
Werkstücken unsere Bewohner an die Öffentlichkeit zu
gehen.

... denn man muss sie mögen weil sie autistisch,
und nicht obwohl sie autistisch sind

(Zitat v. Wendy Brown, Broomhayes School, Devon, GB)

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